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Auf dem Bild ist im Vordergrund eine Hand zu sehen, die ein volles Bierglas in die Luft hebt. Der Hintergrund ist RUB-Blau.

Wie gesund ist moderater Alkoholkonsum wirklich?

Gilt moderater Alkoholkonsum wirklich als herzschützend? Forschende der Ruhr-Universität Bochum zeigen, dass angebliche positive Effekte meist auf methodischen Schwächen und Verzerrungen beruhen.


Lange Zeit galt moderater Alkoholkonsum als möglicherweise herzschützend. Doch wie belastbar ist diese Annahme tatsächlich? 
Eine aktuelle Studie von Susanne Stolpe, Dr. med. Kathrin Schlößler und Prof. Dr. Horst Christian Vollmar von der Abteilung für
Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum sowie Prof. Dr. rer. nat. Dr. rer. san. Bernd Kowall vom Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und
Epidemiologie des Universitätsklinikums Essen nimmt die bestehende Evidenz kritisch unter die Lupe.

Die Forschenden untersuchten Veröffentlichungen zur Frage, ob moderater Alkoholkonsum tatsächlich mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen verbunden ist. Dabei zeigte sich ein auffälliges Muster: Studien, die einen positiven gesundheitlichen Effekt moderaten Alkoholkonsums
postulierten, wiesen durchgehend methodische Schwächen auf. Dazu gehören unter anderem mögliche Verzerrungen, die bei der Untersuchung des Zu-
sammenhangs zwischen Alkoholkonsum und Gesundheit eine wichtige Rolle spielen können. Studien, die diese potenziellen Bias besser berücksichtigten, 
fanden dagegen tendenziell keine positiven Effekte von moderatem Alkoholkonsum. 

Besonders bemerkenswert sind dabei Ergebnisse mit auffallend großen oder sogar implausiblen Effekten – beispielsweise eine geringere Inzidenz von Lebererkrankungen bei moderat Trinkenden im Vergleich zu Nicht-Trinkenden. Solche Befunde wurden offenbar nicht immer ausreichend kritisch hinterfragt. Ein möglicher Grund: Auch ungewöhnlich große Effekte können bei statistischer Signifikanz zunächst überzeugend erscheinen.

Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung einer kritischen Bewertung epidemiologischer Forschung – und zeigt, warum statistische Signifikanz allein kein
Beleg für einen kausalen Zusammenhang ist. Wie auch die bereits veröffentlichten Reaktionen auf den Artikel zeigen, ist die Diskussion um die gesundheitlichen Auswirkungen moderaten Alkoholkonsums damit keineswegs abgeschlossen. Gerade bei kontrovers diskutierten Fragestellungen ist es dabei wichtig,
mögliche Interessenkonflikte transparent offenzulegen und die Auswertung der Daten nach nachvollziehbaren, methodisch robusten und möglichst unabhängigen Kriterien vorzunehmen. Denn am Ende geht es nicht darum, ein bestimmtes Ergebnis zu bestätigen oder zu widerlegen, sondern darum, wie zuverlässig die wissenschaftliche Evidenz tatsächlich ist.

Zur Publikation: The illusion of healthy drinking: Methodological bias and selective reporting of effectsshape evidence on alcohol and cardiovascular health

Susanne Stolpe